01. Was sind Notduschen?
|
Notduschen werden oft unter den Begriff ‚Arbeitsschutz’ oder ‚Arbeitssicherheit’ eingeordnet. Sie werden teilweise sogar als Sicherheits-Notdusche bezeichnet. Das ist nicht richtig, denn keine Notdusche kann Verbrennungen oder Verätzungen durch Chemikalien verhindern. Notduschen sind als Erste-Hilfe einzuordnen.
 up
|
02. Welche Normen gibt es?
|
In Europa haben wir die DIN EN 15154.
Weltweit anerkannt ist aber die ANSI Z 358.1 2004, American National Standard, kurz ‚ANSI’ genannt. Diese Norm deckt die DIN und geht teilweise sogar weit darüber hinaus.
Schreibt z. B. die DIN für Körperduschen mindestens 60 Liter pro Minute vor, verlangt die ANSI mindestens 75 Liter pro Minute.
Beim Augenbad 12 Liter (6 Liter pro Ausgang lt. DIN) bzw. 11,5 Liter (ANSI) pro Minute sollen es mindestens sein.
Hughes-Notduschen entsprechen der ANSI und der DIN EN 15154.
 up
|
03. Sind Notduschen vorgeschrieben?
|
Wer daran zweifelt, sollte die entsprechenden Gesetze, Richtlinien und Verordnungen nachschlagen, z. B.
- Arbeitsschutzgesetz (§ 3, 4 + 10)
- Gefahrstoffverordnung (§ 8 + 13)
- Arbeitsstättenverordnung (§ 39)
- Unfallverhütungsvorschriften (§ 2)
- Laborrichtlinien (3.5 Körperduschen/Augenduschen)
Die Gesetze und Verordnungen können, sofern nicht vorhanden, meist im Internet nachgelesen werden.
Arbeitsschutzgesetz (Auszug):
§ 3 Grundpflichten des Arbeitgebers
(1.) Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die erforder-lichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berück-sichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. Er hat die Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und erforderlichenfalls sich ändernden Gegebenheiten anzupassen. Dabei hat er eine Verbesserung von Sicherheit und Gesundheits-schutz der Beschäftigten anzustreben.
§ 4 Allgemeine Grundsätze
2. Gefahren sind an ihrer Quelle zu bekämpfen
3. Bei den Maßnahmen sind der Stand von Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen.
Arbeitsstättenverordnung (Auszug):
§ 39 – Mittel und Einrichtungen zur Ersten Hilfe
(1) In den Arbeitsstätten müssen die zur Ersten Hilfe erforderlichen Mittel vorhanden sein. Sie müssen im Bedarsfall leicht zugänglich und gegen Verunreini-gung, Nässe und hohe Temperaturen geschützt sein. Wenn es die Art des Betriebes erfordert, müssen Krankentragen vorhanden sein.
(2) Bei Arbeitsstätten mit großer räumlicher Aus-dehnung müssen sich Mittel zur Ersten Hilfe und, sofern es die Art des Betriebes erfordert, Kranken-tragen an mehreren gut erreichbaren Stellen befinden.
 up
|
04. Wo und in welcher Reichweite sollen Notduschen
|
Hierauf gibt es keine allgemein gültige Antwort. Eine Notdusche sollte grundsätzlich möglichst in der Nähe der Gefahrenquelle (max. 15 m) vorhanden und inner-halb von 10 Sekunden erreichbar sein (ANSI).
Bei extrem gefährlichen Substanzen können 10 Sekunden aber schon viel zu lang sein. Es gibt Stoffe, die extrem
gefährlich, sogar tödlich sein können. In solchen Fällen muss die Notdusche in unmittelbarer Nähe aufgestellt und das Wasser in einer Auffangwanne aufgefangen werden.
Grundsätzlich sollte darauf geachtet werden, dass Notduschen frei zugänglich sein müssen, sie sollten durch nichts verstellt werden. Treppen und Stolper-fallen sind strikt zu vermeiden.
 up
|
05. Unterweisung der gefährdeten Personen
|
Es ist wichtig, dass alle gefährdeten Personen wissen, wo sich Notduschen befinden und wie sie funktionieren.
Eine verletzte Person gerät schnell in Panik. Je schwerer die Verletzung, um so wahrscheinlicher ist die Panik. Es kann auch sein, dass die Augen betroffen sind. Reflexartig werden beide Augen zugekniffen, wenn ein Fremdkörper eingedrungen ist. Theoretisch müßte man in der Lage sein, fast blind zu der Notdusche zu kommen und diese zu bedienen.
Die Auslösung einer Not- oder Augendusche kann auf unterschiedliche Weise erfolgen: Durch Trittrost, Fußhebel, Zugstange, Druckplatte, oder durch Öffnen des schützenden Deckels bei einem Augenbad.
Weil es verschiedene Möglichkeiten gibt, sollten die Mitarbeiter wissen, wo die Notduschen stehen und wie sie funktionieren.
 up
|
06. Welche Art von Notduschen gibt es?
|
Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, z. B.
Augenduschen
- wandmontiert, sockelmontiert
- beheizt, unbeheizt
Körperduschen
- freistehend
- wandmontiert
- deckenmontiert
- beheizt oder unbeheizt
- falls beheizt: mit oder ohne Ex-Schutz
Körper-/Augenduschen (Kombination)
- freistehend
- wandmontiert
- beheizt oder unbeheizt
- falls beheizt: mit oder ohne Ex-Schutz
Mobile Notduschen
Tankduschen
Nachstehend werden einige Typen ausführlicher beschrieben:
 up
|
07. Notduschen für extrem kalte Bereiche
|
Es gibt Notduschen, die werden mittels Tauchsieder beheizt. Diese Notduschen sind vergleichsweise teuer. Normalerweise werden Notduschen aber mittels Begleitheizkabel beheizt. Diese Beheizung sorgt dafür, dass die Notduschen im Winter nicht einfrieren. ABER: Für extrem kalte Bereiche kann diese Standardbeheizung unzureichend sein. Keine standardmäßig begleitbeheizte Notdusche hält längere Zeit Temperaturen von -15° und niedriger aus, ohne einzufrieren.
Was hat es mit den sog. ‚arktischen’ Modellen auf sich?
Wie der Name schon vermuten läßt, sind diese für extrem niedrige Temperaturen bis minus 25° C geeignet. Diese
Notduschen werden – abweichend von den standardmäßig beheizten Notduschen – auch im oberen Bereich beheizt.
Worauf ist sonst noch zu achten? Achten Sie bitte auf die äußere Umhüllung, die meistens aus PVC ist. PVC wird im Winter brüchig und geht bei kleinsten Anrempelungen zu Bruch (Verletzungsgefahr!). Besser sind rotationsgeformte Kunststoffteile aus Polyethylen. Diese werden bei Minus-Temperaturen nicht brüchig.
 up
|
08. Notduschen für extrem warme Bereiche
|
Wo Gefahr besteht, dass aufgrund klimatischer Verhältnisse oder Strahlungswärme das Wasser in den Standrohren zu heiß wird, sollte auf isolierte oder selbstentleerende Notduschen zurückgegriffen werden.
Wenn auch die Zuleitungen zu den Notduschen überhitzen können, sollten Ablassventile eingesetzt werden. Diese können auf bestimmte Temperaturen eingestellt werden, z. B. 30° C. Wird diese Temperatur in der Zuleitung erreicht, wird das an der Notdusche montierte Ablassventil aktiviert – es wird einfach Wasser abgelassen.
Auf diese Weise wird verhindert, dass eine Person sich verbrüht. Die Erfahrung hat gezeigt, dass in der Wüste das Wasser in den Standrohren oder in den Zuleitungen durchaus 60° C erreichen kann. Diese extremen Temperaturen können aber auch in Deutsch-land, z. B. bei Eisengießereien, erreicht werden.
 up
|
09. Notduschen für Ex-Bereiche
|
An Notduschen, die in Ex-Bereichen eingesetzt werden, sind besondere Anforderungen zu stellen. Solange keine elektrischen Teile vorhanden sind, ist alles in Ordnung. Wenn aber die Notdusche beheizt ist, eine Beleuchtung oder Notfallsensoren vorhanden sind, müssen auch alle Elektroteile Ex-geschützt sein.
 up
|
10. Tankduschen - Wasserverkeimung
|
Tankduschen werden dort eingesetzt, wo entweder keine permanente Wasserversorgung vorhanden ist oder wo der erforderliche Wasserdruck nicht zuverlässig gewähr-leistet werden kann.
Tankduschen bieten aber noch weitere Vorteile: Abweichend von beheizten Notduschen wird hier die Wassertemperatur eingestellt, normalerweise auf 20° C. Diese Temperatur kann höher oder niedriger sein, 20° C aber hat sich bewährt. Es ist einerseits warm genug, dass eine verletzte Person keinen Schock durch zu kaltes Wasser bekommt, andererseits tritt bei 20° C eine deutliche Kühlung auf. Diese Kühlung ist medizinisch gewünscht und wird von der verletzten Person als schmerzlindernd empfunden.
Tankduschen gibt es bei Hughes mit 350, 750 und 1,200 Liter Inhalt.
Wasserverkeimung bei Tankduschen
Bei 20° C ist eine Verkeimung nicht so schnell zu befürchten. Bei hochwertigen Tankduschen ist der Tank gut isoliert. Die gute Isolierung hält auch das Sonnenlicht weitgehend ab. Insekten können nicht in den Tank geraten. Das ist wichtig, denn Insekten würden das Wasser sehr schnell verkeimen lassen.
Wir empfehlen, den Tankinhalt alle 4 Wochen auszuwechseln. Es gibt aber auch die Möglichkeit, mit Chemikalien das Wasser bis zu 6 Monaten haltbar zu machen.
Woraus sollten Sie bei Tankduschen besonders achten? Fragen Sie nach dem Innentank. Ist er aus glattem PE oder aus rauhem GFK? Die Gefahr der Wasserverkeimung ist bei einem rauhen Innentank viel größer!
Außerdem wichtig: ein Doppelthermostat, eine gute Abdichtung des Tanks (damit keine Insekten eindringen können) und eine gute Isolierung (auch Sonnenein-wirkung trägt zur Keimbildung bei).
 up
|
11. Damping Shower
|
Pharmazeutische Betriebe kennen die Gefahr, dass beim Ausziehen der Arbeitsschutzkleidung die anhaftenden Schadstoffpartikel freigesetzt und eingeatmet werden.
Um dies zu vermeiden, hat Hughes eine Befeuchtungs-anlage entwickelt, für die uns kein besserer Begriff einfällt als die englische Bezeichnung ‚Damping Shower’. ‚Damping’ steht hier für feinen Nebel.
Die Funktion ist ganz einfach: Bevor ein Mitarbeiter seine Arbeitsschutzkleidung auszieht, geht er in eine Durchgangskabine. Die eingebaute Lichtschranke aktiviert 10 Düsen und löst automatisch einen feinen Sprühnebel aus. Innerhalb von Sekunden wird so die Schutzkleidung rundum leicht angefeuchtet. Der Sprühnebel hört auf, sobald der Mitarbeiter die Kabine verläßt. Beim Ausziehen bleiben die Schadstoffe dann an der Schutzkleidung haften und werden nicht eingeatmet.
 up
|
12. Wie sieht es mit der Wartung von Notduschen aus?
|
Notduschen sollten grundsätzlich regelmäßig auf Funktionsfähigkeit geprüft werden. Wir empfehlen, einmal wöchentlich die Notduschen zu aktivieren. Das hat auch den Vorteil, dass das in den Standleitungen vorhandene Wasser regelmäßig ausgetauscht wird, wodurch eine Verkeimungsgefahr vermieden wird.
Mindestens einmal jährlich, besser noch halbjährlich, sollten Augenspülperlatoren und/oder die Duschdüsen einmal gründlich gereinigt werden.
 up
|
13. Wie lange sollte eine Not- bzw. Augendusche betätigt werden?
|
10 - 15 Minuten. Das ist eine sehr lange Zeit, aber diese Angabe macht schon Sinn. Je gründlicher das Auge ausgespült wird, je gründlicher der Körper mit Wasser geflutet wird, umso geringer der Personenschaden.
Deshalb sollten Notduschen – wenn irgendwie möglich – fest an eine Wasserleitung installiert werden.
 up
|
14. Was ist mit der Wasserqualität?
|
Für Augenduschen ist Trinkwasser vorgeschrieben. Für
Körperduschen ist Trinkwasser oder Wasser vergleichbarer
Qualität erforderlich.
 up
|
15. Wie sieht es mit Augenspülflaschen aus?
|
Augenspülflaschen reichen nur für die allererste Behandlung aus und können deshalb ein fest angeschlossenes Augenbad nicht ersetzen.
Mit einer Augenspülflasche kann die 10-minütige Spülung nicht annähernd erreicht werden.
Ein Nachteil ist, dass immer nur 1 Auge gleichzeitig behandelt werden kann.
Ein weiterer Nachteil ist, dass die Augenspülflaschen immer wieder neu gekauft werden müssen. Auf die Dauer kommt das teurer als ein fest installiertes Augenbad.
 up
|
16. Mobile Notduschen
|
Auch mobile bzw. tragbare Notduschen (Inhalt 9 oder 14 Liter, Form wie Feuerlöscher) reichen nur für die allererste Behandlung. Anschließend sollte das verletzte Körperteil mit ausreichend Wasser gespült werden (Körperdusche oder Augenbad).
Diese Notduschen gibt es bei Hughes mit 9 oder 14 Liter Inhalt. Für das kleinere Modell sind beheizte Wandschränke erhältlich, so dass das Wasser im Winter nicht einfrieren kann.
 up
|
17. Welche Vorteile bieten geschlossene Augenbäder?
|
Geschlossene Augenbäder sind mit einem Deckel versehen, der die Wasserperlatoren vor Verschmutzung schützt.
Bei offenen Becken liegen die Spülkappen meistens neben den Sprühdüsen. Wenn die Sprühdüsen nicht durch die Spülkappen geschützt werden, verschmutzen die Sprühdüsen. Das kann dazu führen, dass eine ohnehin schon verletzte Person zusätzlich Dreck ins Auge bekommt.
Wenn ein Notfall aufgetreten ist und das Gesicht oder die Augen müssen gespült werden, wird am geschlossenen Augenbad einfach der Deckel nach vorn gezogen und das Wasser fängt automatisch an zu sprudeln. Erst, wenn der Deckel wieder zugeklappt wird, hört das Wasser auf zu laufen.
 up
|
18. Erste Hilfe geleistet – und dann?
|
Nach der Erstbehandlung muss die verletzte Person zum Arzt,
zum Augenarzt oder ins Krankenhaus gebracht werden (je nach
Verletzung). Von minimalen Verletzungen abgesehen, sollte
die Verletzung also immer noch mal ärztlich geprüft und
ggf. behandelt werden.
 up
|
19. Notfallsensoren
|
Notfallsensoren machen Sinn, wenn im Falle eines Falles niemand in der Nähe sein könnte, wenn sich eine Person verletzt hat. Der Notfallsensor gibt ein Signal an die Messwarte, sobald Wasser fließt. Die Betätigung einer Notdusche (und damit Alam an die Meßwarte) kann aber auch auf andere Gefahren hinweisen.
Optimal ist es, wenn bei einer kombinierten Körper-/ Augendusche nicht nur die Körperdusche, sondern auch das Augenbad mit einem Notfallsensor ausgerüstet ist.
 up
|